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Vermögensberatung

Ich hatte in letzter Zeit eine Vermögensberatung. Das war einerseits sehr interessant und produktiv, und andererseits – habe und werde ich keinen Vertrag abschließen, die Zusammenarbeit wurde (im Guten) von der anderen Seite aufgekĂŒndigt. Die Beratung war sehr informativ, die vorgeschlagenen Produkte passend und gut. Wieso also das „Ende“?

Die erste Vorstellung ist kostenlos und unverbindlich, anschließend kann man – fĂŒr normalerweise 20 € – sich analysieren lassen. Das Konzept anhand dem gearbeitet wird ist schlĂŒssig. Grundlegendes wie Standard-Versicherungen, Renten- und Krankenversicherung wird zuerst geregelt und vorgeschlagen – die Basis der Pyramide – bevor es zu weiteren Finanzleistungen und -angeboten geht. So weit alles schlĂŒssig und einleuchtend. Die beim zweiten Termin vorgeschlagenen Produkte sind auf eben diese Pyramide und den Kunden angepasst.

Bei der Vorstellung und Angebotsvorstellung sind mir einige manipulative (klingt hier aber zu negativ) Aspekte aufgefallen, die sich des menschlichen Verhaltens und der menschlichen Wahrnehmung zu Nutze machen. Dazu zĂ€hlt dass der Kunde selbst Dinge und Werte einschĂ€tzen muss, sicherlich einerseits um ihn so aktiv und bewusst anwesend zu halten und andererseits um ihm dann – gegebenenfalls – eines Besseren zu belehren, sei es durch Zahlen oder Offenlegung von anderen Fakten. Das hat mich beispielsweise auch an 1veritasium erinnert (ein großartiger YouTube-Wissens-Kanal. Betreiber hat seine Studiumsabschlussarbeit darĂŒber verfasst, wie man am besten lernt. Eben durch Äußerung seiner EinschĂ€tzung beziehungsweise Zustimmung zu Äußerungen anderer, und anschließender Wiederlegung dieser Behauptungen und EinschĂ€tzungen). Nun, manipulativ kann man das noch nicht nennen, aber interessant wie einem so etwas bewusst wird wenn man davon weiß und bewusst (fĂŒr so etwas) durchs Leben lĂ€uft.

Es wurde bereits des öfteren auf das Konzept als zentralen Punkt hingewiesen – aber bewusst was das fĂŒr den/die Berater heißt, wurde mir das nicht. NĂ€mlich die Rund-Um-Betreuung in allen Finanz- und Versicherungsfragen. Das hat den Vorteil eines einzigen Ansprechpartners und Vermögensplaners, der weiß wie man Geld mehrt und welche Versicherungen und Produkte notwendig sind. Ich hatte aber ein Problem mit der damit zusammenhĂ€ngenden BeschrĂ€nkung auf durch diesen Vermögensberater empfohlenen/vorgelegten Produkten. Ich möchte Vergleichen und WĂ€hlen können. Einmal preislich, aber auch moralisch. Auch wenn man im preislichen Aspekt durch vollumfĂ€ngliche Beratung insgesamt sicherlich gut dastehen wĂŒrde blieb die Vermögensberatung auf diesen Aspekt fixiert. Vermögensmehrung und -wahrung. Die Vermögensberater und Vermögensberaterunternehmen haben RahmenvertrĂ€ge mit bestimmten Dienstleistern, Banken und Versicherungen, und sind somit natĂŒrlich auf diese beschrĂ€nkt. Auf Moral und gesamtgesellschaftliche und gesamtsoziale Aspekte wird dabei wenig geschaut.

Da ich um die EinschrĂ€nkungen menschlicher Wahrnehmung weiß, vor allem wenn durch Partnerschaften die Partner bereits vorgegeben sind, kann ich mich nicht auf einen einzigen Vermögensberater einlassen, der alles regelt. Gerade wenn es so ein großes Feld von Finanzen, also Banken, Konten und so weiter, UND Versicherungen umfasst. Und da ist mir die Verantwortung und Freiheit der Wahl zu wichtig, gegenĂŒber der reinen Vermögensmehrung und -erhaltung. Wer mit offenen Augen durchs Leben lĂ€uft wird mitbekommen haben dass der reine Kapitalismus und Fokussierung nur auf Geldmittel in keinem Fall ein gutes Ende nimmt. Egal in welchem Bereich.

Und so konnte ich dem Vermögensberater nicht das bedingungslose Vertrauen aussprechen und dem Konzept einer komplett gefĂŒhrten Vollversorgung zustimmen. Der Vermögensberater wiederum so nicht mit mir als Kunden arbeiten – bin mir nicht sicherlich ob rein aus persönlicher Überzeugung, oder warum. Schade, denn die Beratung war in der Tat sehr informativ und das eine oder andere Produkt hĂ€tte ich mit Sicherheit wahrgenommen. Zur Information sowie wenn sich jemand an den von mir bemĂ€ngelten Punkten nicht stört (und also eine solche vollumfĂ€ngliche Beratung gerne hĂ€tte), dem kann ich eine solche Beratung nur ans Herz legen. Schaden kann es jedenfalls nichts. Der Informationsgewinn hebt den Zeitverlust auf. Bei mir allemal – obwohl ich sehr grĂŒndlich bin, auch bei besagten VertrĂ€gen/Produkten und dem Studium dieser.